Mateusz Przybylko peilt Hochsprung-Rekord an |
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NEWS Mateusz Przybylko peilt Hochsprung-Rekord an






22.08.2017

Mit 2,35 Metern war Mateusz Przybylko in diesem Jahr bester Europäer im Hochsprung, weltweit kam nur Weltmeister Mutaz Essa Barshim (Katar/2,38 m) noch höher. Der Traum vom Podium bei der WM in London erfüllte sich für den Leverkusener aber nicht. Umso mehr hat er sich geschworen: „Nächstes Jahr bei der EM in Berlin hole ich eine Medaille.“

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Der Hochsprung war keine Liebe auf den ersten Blick

Mateusz Przybylko und der Hochsprung: Das war keine Liebe auf den ersten Blick. „Als Jugendlicher habe ich gedacht, ich schaffe das nie. Ich hatte großen Respekt davor, mit dem Rücken zuerst über die Latte zu springen – ich hatte Schiss, dass ich neben der Matte landen könnte“, erinnert er sich. Der entscheidende Impuls kam dann von seinem jüngeren Bruder Kacper, derzeit Profi-Kicker beim 1. FC Kaiserslautern. Er spielte damals schon Fußball, trainierte aber ab und zu noch mit den Leichtathleten der LG Bielefeld (heute PSV Bielefeld) mit. „Er sprang nicht nur höher als ich, sondern auch technisch besser“, sagt Mateusz Przybylko – und das als Fußballer. „Das konnte ich nun wirklich nicht auf mir sitzen lassen.“

Die brüderliche Konkurrenz beflügelte Przybylko. Inzwischen ist er Deutschlands bester Hochspringer, bei den Weltmeisterschaften in London (Großbritannien) belegte er Rang fünf. Es war die beste deutsche WM-Platzierung im Hochsprung seit acht Jahren, seit Raúl Spank 2009 in Berlin die Bronzemedaille gewonnen hatte.

Und doch blieb nach dem Wettkampf das Gefühl, dass Przybylko eine große Gelegenheit verpasst hatte. Als Zweiter der Weltjahresbestenliste war er angereist, war vorher reihenweise über 2,30 Meter gesprungen. Doch ausgerechnet im wichtigsten Wettkampf des Jahres fiel die Latte schon bei 2,29 Metern. Wäre Przybylko diese Höhe noch gesprungen, hätte er Bronze geholt. Die Nervosität war zu groß, die vielen Unterbrechungen, unter anderem direkt vor seinem entscheidenden Versuch, taten ihr Übriges. „Ich habe eine große Chance liegen lassen“, sagt der 25-Jährige. Zum zweiten Mal übrigens, denn schon bei der Hallen-EM im März in Belgrad (Serbien) war er höhengleich mit dem Drittplatzierten Siebter geworden.

"Der Deutsche Rekord ist machbar"

In London schwor er sich deshalb noch im Stadion: „Nächstes Jahr bei der EM in Berlin hole ich eine Medaille.“ So wie bei seinem bisher letzten Auftritt im Berliner Olympiastadion bei den Deutschen Jugendmeisterschaften 2008. Damals wurde er Dritter und nahm sich danach ganz fest vor: „Irgendwann will ich noch einmal hier mal springen.“

Mit übersprungenen 2,35 Metern ist er in diesem Jahr bester Europäer, weltweit hinter Weltmeister Mutaz Essa Barshim (Katar/2,38 m) die Nummer 2. „Ich bin angekommen im Kreis der Besten“, sagt er. „Der Knoten im Kopf ist geplatzt, seitdem springt es sich viel leichter.“

Seine aktuelle Bestleistung erzielte er bei der NRW-Gala in Bottrop, dabei wollte Przybylko dort ursprünglich gar nicht antreten. Weil zunächst jedoch nur vier Athleten gemeldet waren, überredete ihn ein Teamkollege, dort ebenfalls an den Start zu gehen, damit das Feld nicht ganz so bescheiden aussieht. Mateusz Przybylko tat ihm den Gefallen und belohnte sich selbst. Messungen ergaben, dass sein Körperschwerpunkt an diesem Tag bei 2,40 Meter lag – drei Zentimeter höher als der deutsche Rekord des Kölners Carlo Thränhardt aus dem Jahr 1984 (2,37 m).

„Der deutsche Rekord ist machbar“, sagt Przybylko. Zwei Chancen hat er diese Saison noch: beim Diamond-League-Finale in Zürich (Schweiz/24. August) und beim weltbesten Hochsprungmeeting in Eberstadt (27. August). Falls ihm dort tatsächlich eine neue Bestmarke gelingt, könnte sein Name bald noch bekannter sein. Bislang tun sich viele schwer, den polnischen Nachnamen auszusprechen, dabei ist es eigentlich ganz einfach: „Erst Pschü, so als ob ein Lehrer seine Klasse bittet, leise zu sein, und dann noch ein Bylko hinterher. Pschü-bylko.“

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