Wettkampftag 4 - der Ausblick |
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Wettkampftag 4 - der Ausblick


Schäfer lauert

Geht doch! Carolin Schäfer ist nach vier von sieben Disziplinen auf Medaillenkurs mit 3.848 Punkten. Sie liegt damit hinter dem Führungsduo Katarina Johnson-Thompson (Großbritannien/4017 Punkte) und Nafissatou Thiam (Belgien/3930 Punkte). Nur zwei Punkte hinter Schäfer liegt die Österreicherin Ivona Dadic. Louisa Grauvogel (3785 Punkte) beendet den ersten Tag mit Kurs auf Bestleistung (7.). Johnson-Thompson gewann die letzte Disziplin des ersten Tags, den 200 Meter-Lauf, in 22,88 Sekunden – Meisterschaftsrekord innerhalb des Siebenkampfes. Heute stehen für die Siebenkämpferinnen noch drei Disziplinen an: Weitsprung, Speerwurf und 800 Meter. Mit dem Speer hat Schäfer in der Vorbereitung gemeinsam mit Europameister Thomas Röhler trainiert und sich in ihrer vermeintlich schwächsten Disziplin des Tages stark verbessert. Über die zwei Stadionrunden zum Abschluss werden auch die Taktik und die Punkteabstände zu diesem Zeitpunkt eine Rolle spielen. „Das Publikum kann mich tragen“, hofft die Frankfurterin.

                                                                                   

 

Shubenkov will das Triple

Ist Sergey Shubenkov überhaupt zu schlagen? Der 27-jährige Russe, der seit der Sperre des russischen Teams unter neutraler Flagge international an den Start geht, ist in bestechender Form und will sich seinen dritten EM-Titel nach 2012 und 2014 sichern. Konstant ruft er Top-Leistungen ab und ist dabei so schnell wie noch nie, seine Bestleistung drückte er in dieser Saison auf 12,92 Sekunden. Damit ist er der einzige Europäer, der dieses Jahr unter 13 Sekunden blieb. Für das Heimpublikum besonders spannend: Wie schlägt sich der Deutsche Meister Gregor Traber (LAV Stadtwerke Tübingen)? Auch ihm gelingt es dieses Jahr, konstant seine Leistungen abzurufen, obwohl Experten ihm sogar noch mehr Potenzial bescheinigen. Vielleicht gelingt es ihm, dies vor heimischer Kulisse abzurufen. Momentan befindet er sich auf Platz sieben der europäischen Bestenliste mit 13,35 Sekunden. Für das Halbfinale ebenfalls qualifiziert: Vorlauf-Sieger Erik Balnuweit (TV Wattenscheid 01) und Alexander John (SC DHfK Leipzig).

 

Die 400 Meter Hürden-Strecke ordnet sich neu

Die zweifache Weltmeisterin Zuzana Hejnova (Tschechien) ist ausgeschieden und setzt ihr wenig erfolgreiches Abschneiden bei Europameisterschaften fort. Dasselbe gilt für die Titelverteidigerin Sara Slott Petersen (Dänemark). „Hopp Schwyz“ könnte zum Schlachtruf des Abends werden und die rotweißen Fahnen das Rund des Olympiastadions dominieren. Die Schweizerin Léa Sprunger hat als Jahresschnellste mit 55,12 Sekunden Ansprüche auf den EM-Thron angemeldet. „Ich möchte gewinnen. Aber wenn es Silber oder Bronze wird, bin ich auch happy“, sagte die Athletin ohne Allüren, die schon mal zuhause einen Wohnzimmertisch aus Apfelkisten gebaut hat. Schnellste in einem der Semifinals war zudem Anna Ryzhykova (Ukraine/54,82s). Yadisleidy Pedroso, für Italien startende Kubanerin, wird als drittschnellste des Vorlaufes ein gewichtiges Wörtchen um den Titel mitreden wollen. Auf dem Kandidatenkarussell für die neue Europameisterin rennt auch die 31-jährige Britin Eilidh Doyle.

 

Die Milchsäure schießt

400 Meter – die Strecke mit der längsten Zielgeraden. Wenn die Milchsäure in die Muskulatur strömt, die Beine schwer werden und das Ziel nicht näher zu kommen scheint. Es gibt Männer und Frauen, die diese Qualen immer wieder auf sich nehmen. Der Norweger Karsten Warholm nimmt diese Herausforderung mit gerade 22 Jahren auf besondere Art an: Er sprintet die 400 Meter über die flache Bahn und über die Hürden. Das traut sich sonst keiner. So könnten der Hürden-Weltmeister von 2017 zum Gerade 22 Jahre alt, hat der Norweger Karsten Warholm die Herausforderung der Stadionrunde schon gut im Griff. Als Weltmeister 2017 rannte er in die Herzen der Leichtathletik-Fans. Mit einem einmaligen, erfolgreichen Doppelstart in Berlin über 400 und 400 Meter Hürden könnte er der neuen Popstar der Leichtathletik werden. „Die Magie der Leichtathletik besteht darin, dass es immer jemanden gibt, der dir den Platz streitig machen will“, weiß Warholm um die Herausforderungen. Sein härtester Rivale wird der 23-jährige Matthew Hudson-Smith sein, der EM-Zweite von Amsterdam 2016. Er führt die europäische Bestenliste mit 44,63 Sekunden an. Doch da kommt noch die Familienzange der Borlées aus Belgien dazu: Jonathan und Kevin.

 

Bummel- oder Temporennen?

Zwei Stadionrunden. Die längste Laufdisziplin, bei der in Bahnen gestartet wird. Neben Ausdauer, Kraft und Schnelligkeit ist deshalb auch Taktik, Cleverness und Durchsetzungsvermögen gefragt. Traditionell stark auf der kürzesten Mittelstrecke: die Britinnen. Gleich drei haben sich für den Endlauf qualifiziert. Die jüngste von ihnen, Adelle Tracey, hat im Halbfinale ihre Bestzeit pulverisiert und ist zum ersten Mal unter der Zwei-Minuten-Schallmauer geblieben. Mit der schnellsten Halbfinalzeit überzeugte die Französin Renelle Lamote. Die Vizeeuropameisterin von Amsterdam lief mit 1:58.83 Minuten im Vorfeld der Titelkämpfe so schnell wie keine andere Europäerin in diesem Jahr. Schnelle Rennen seien für sie angenehmer als Bummelrennen, sagte Lamote nach dem Halbfinale. Damit kann die Konkurrenz sich schon drauf einstellen, wohin die Reise im Endlauf geht. Vielleicht gelingt aber auch Selina Büchel eine Überraschung. Die Schweizerin war schon zweimal Hallen-Europameisterin, unter freiem Himmel fehlt ihr noch Edelmetall.

  

Ingebrigtsen-Triple?

Was für eine Geschichte! Die drei Brüder Henrik (27), Filip (25) und Jakob Ingebrigtsen (17) stehen erstmals bei einer Europameisterschaft zusammen auf einer Startliste – und alle drei sind hochtalentiert. Der Älteste des Teams Ingebrigtsen, Henrik, sammelte bei den vergangenen drei Europameisterschaften einen kompletten Medaillensatz (2012 Gold, 2014 Silber, 2016 Bronze). Der mittlere Bruder und Titelverteidiger Filip führt diese Saison die europäische Bestenliste mit 3:30.01 Minuten an, dicht gefolgt von seinem kleinen Überflieger-Bruder Jakob. Reicht das für ein Ingebrigtsen-Triple? Mit dem Drittplatzierten der europäischen Bestenliste Chris O´Hare, dem Schnellsten der Vorläufe Jack Wightman und Charlie Da’Vall Grice sind drei starke Mittelstreckler aus Großbritannien im Finale vertreten. Aus deutscher Sicht hat der Frankfurter Homiyu Tesfaye Podestpotenzial. Das 1500 Meter-Finale könnte also eine ganz enge Kiste werden, zumal auch der amtierende polnische Hallen-WM-Zweite Marcin Lewandowski im Kampf um die Medaillen eingreifen könnte.

 

Fräuleinwunder im Sand

Jahrelang fristete der Dreisprung der Frauen ein Mauerblümchendasein, ohne gute Leistungen kaum Beachtung. Die Disziplin ist erwacht, durch attraktive junge Athletinnen und tolle Leistungen. Kristin Gierisch ist Hallen-Europameisterin geworden und greift auch in Berlin beim Heimspiel nach einer Medaille. Die Trainingskollegin von Max Heß, dem Europameister von Amsterdam, liegt in Europa mit 14,42 Meter auf Rang fünf, der Abstand nach vorne beträgt lediglich ein paar Zentimeter. „Cool down, einfach chillen“, lautet das Rezept von Gierisch im Berliner Hochsommer. Die Hitze scheint auch Neele Eckhardt gut zu liegen. Die Deutsche Meisterin flog in der Qualifikation auf 14,33 Meter, so weit wie noch nie in dieser Saison. Ein deutsches Fräuleinwunder im Sand? Favoritin auf Gold ist Europas Jahresbeste Paraskevi Papahristou aus Griechenland (14,49m). Hanna Minenko (Israel/14,41m), Weltmeisterschaftszweite von 2015 und ein Jahr später Europameisterin, stammt aus der Ukraine, springt aber seit 2013 für Israel.

 

Flugtag

Es könnte ein ganz großes Finale werden im Hochsprung der Frauen, denn die besten europäischen Hochspringerinnen sind auch die Weltbesten. Maria Lasitskene ist die große Überfliegerin der Szene. Die 25-jährige Russin sprang im Vorjahr mit 2,06 Meter eine Höhe, die seit Ariane Friedrich 2009 hier im Olympiastadion keine Hochspringerin mehr geschafft hatte. Lasitskene ist die erste autorisierte neutrale Athletin, die bei der WM 2017 in London ihre zweite Goldmedaille gewann. Mit der Italienerin Elena Vallortigara und der ukrainischen Vizeweltmeisterin Yuliya Levchenko ist die Konkurrenz stark wie lange nicht. Und die Deutschen? Marie-Laurence Jungfleisch, die sechsfache Deutsche Meisterin, hofft endlich auf das erste Edelmetall bei internationalen Titelkämpfen. Imke Onnen hat sich mit der EM-Teilnahme und dem Einzug ins Finale bereits einen Traum erfüllt. Berlin freut sich auf einen großen Flugtag.

 

Fortsetzung der Speerwurf-Tradition?

Wie bei den Männern, so bei den Frauen: Speerwerfen ist eine deutsche Erfolgsgeschichte. Die Olympiasiegerinnen Ruth Fuchs, Petra Felke, Silke Renk, Karin Forkel und zahlreiche Medaillengewinner bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften wie Tanja Damaske, Katharina Molitor, Linda Stahl und Christina Obergföll sind eindrucksvolle Belege. Christin Hussong schickt sich an, diese Tradition mit dem 600 Gramm-Speer fortzusetzen. Die 24-jährige Deutsche Meisterin erzielte in der Qualifikation mit 67,29 Meter eine neue Bestleistung, die viertbeste Weite einer Deutschen jemals. Dies ist die zweitbeste Weite in Europa in diesem Jahr und eine Ansage des Blondschopfes an die Konkurrenz. Ist Hussong auf den Spuren von Steffi Nerius, die 2009 im Olympiastadion Weltmeisterin wurde? Etwas dagegen haben Titelverteidigerin und Jahresbeste Tatsiana Khaladovih aus Weißrussland (67,47m) und die Polin Marcelina Witek (66,53m).

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